4. ICSI – Klinikwechsel, neue Diagnose und Medikamente ohne Ende - einbisschenschwanger

Neustart in die 4.ICSI

Schon nach der 3.ICSI war klar, dass wir die Klinik wechseln würden. Nachdem wir fast jeden Arzt in unserer Klinik ausprobiert hatten, mussten wir einfach einsehen, dass die Klinik und wir irgendwie einfach nicht zusammenpassen. Die Vertrauensbasis war durch die vielen Dinge, die auf unserem Weg schief gelaufen sind, gestört und so machte eine weitere Behandlung keinen Sinn. Aber wie sollte es nun weiter gehen? Bei meinen Recherchen zu den unterschiedlichen Hamburger Kinderwunschkliniken, traf ich immer wieder auf begeisterte Patienten unserer ersten Klinik.

Also lag es vielleicht einfach an uns, dass es mit der Klinik einfach nicht geklappt hat. Vielleicht hat einfach die Chemie nicht gestimmt, denn viele andere Patienten schienen mit der Klinik sehr zufrieden zu sein. So musste ich also mein liebstes Rechercheinstrument - das Internet - aufgeben und mich wohl oder übel ganz altmodisch auf die Suche nach einer neuen Klinik machen. 

So wollte ich mir zuerst einen Eindruck von einer anderen großen Kinderwunschklinik machen. Auch hier waren die meisten Erfahrungsberichte im Internet sehr positiv. Alles was ich wollte war jemand, der ein paar neue Ideen für unsere Behandlung haben würde. Ich brachte also meinen ganzen Behandlungsordner mit zum Gespräch und die Ärztin schaute sich alle Ergebnisse an. Leider wurden meine Hoffnungen dann ziemlich schnell enttäuscht, denn sie machte sehr ganz klar, dass es bei Ihnen keine anderen Therapieoptionen geben würde. An mögliche Probleme mit dem Immunsystem würden sie nicht „glauben“ und daher auch keine Untersuchungen und keine Therapien in der Richtung anbieten. Und auch sonst wäre ihr Tipp, einfach alles so weiter zu machen wie bisher und auf den „richtigen Embryo“ zu warten. 

Auch wenn es nicht das war, was ich eigentlich hören wollte, so machte es doch die Auswahl einer Klinik sofort sehr viel leichter. Denn die Strategie, alles so weiter zu machen wie bisher kam für uns einfach nicht mehr in Frage. 

Hier kannst Du dir die Podcastfolge anhören:

Arbeitet eine kleine Kinderwunschklinik besser?

Nach dieser Enttäuschung entschieden wir uns dafür auch einmal einer kleinen Klinik eine Chance zu geben und machten einen Termin bei der Kinderwunschklinik Fleetinsel. Die Klinik wurde uns schon länger von einem Freund meines Mannes empfohlen und nach unseren bisherigen Erfahrungen konnte es sowieso nicht mehr viel schlechter werden. 

Dieses mal gingen mein Mann und ich zusammen zum Gespräch. Die Unterlagen hatte ich der Klinik schon im voraus geschickt, damit der Arzt sich schon vor unserem Gespräch ein Bild von der Lage machen konnte. Leider hatten wir an diesem Tag kein Glück, denn der zweite Arzt der Klinik war ausgefallen und nun mussten alle Patienten von einem Arzt behandelt werden. Auch wenn wir irgendwie dachten „Wo sind wir hier gelandet?“ haben wir gewartet und nach ungefähr einer Stunde sind wir dann auch dran gekommen. Auch wenn der Start damit etwas holprig war, war das Gespräch mit Dr. List umso besser. Er erklärte uns (obwohl der Tag bisher purer Stress gewesen sein muss) geduldig und ohne, dass man ihm den Zeitdruck angemerkt hat, was er uns empfehlen würde. Und endlich kamen Vorschläge, auf die ich schon lange gewartet hatte: 

„Wir untersuchen nochmal all ihre Blutwerte, auch Nährstoffunterversorgungen wie z.B. Vitamin D, B12, Eisen etc. und wir überprüfen die Basisparameter ihres Immunsystems und schauen, ob da etwas nicht stimmt“. Die Gerinnung wurde ja bereits getestet und hier würden wir bei der bisherigen Therapie mit niedrigdosiertem Aspirin und Heparin bleiben. 

Die Untersuchung der Immunologie

Endlich ein Arzt, der nicht einfach nur weiter machen will wie bisher. Natürlich waren wir dann sehr gespannt, was das alles kosten würde. Denn in unserer ersten Klinik sollte die Überprüfung der Immunologie mindestens zwischen 1000€ und 2000€ kosten.

Die Antwort überraschte uns dann noch mehr, denn Dr. List war davon überzeugt, dass die Krankenkasse die Kosten ohne Weiteres übernehmen würde, da die Blutuntersuchungen einfach Teil der Anamnese (also der Diagnostik vor einer Behandlung) wären. Und so entschieden wir uns gleich vor Ort, das wir es für die 4.ICSI mit der Klinik Fleetinsel probieren wollen. Im Anschluss wurden mir dann ganze 14 Röllchen Blut abgenommen, zum Glück hatte ich schon Übung im Blutabnehmen und konnte die Menge mit Humor nehmen. Ich wollte einfach, dass endlich herausgefunden wird, was bei uns nicht stimmt. Meine ganze Hoffnung lag nun auf der Untersuchung der Immunologie, denn die Symptome für ein immunologisches Problem (immer wiederkehrende Fehlgeburten oder biologische Schwangerschaften) passten zu 100% zu dem was ich in den letzten Jahren durchgemacht hatte. 

Und je mehr ich zu diesem Thema las, desto überzeugter war ich davon, dass ich unser Problem - theoretisch - schon gefunden hatte. Denn es gab in meinem bisherigen Leben schon andere Probleme, mit meinem Immunsystem: ich litt lange Zeit in meiner Jugend unter starken Allergien und hatte schubweise hier und da neurodermitisartige Ekzeme. Beides weist darauf hin, dass es in meinem Körper ein gewisses „autoimmunes Geschehen“ gibt und das ist ein klarer Risikofaktor, bei dem es Sinn macht die Immunologie zu überprüfen. Leider hatte mich bisher kein Arzt danach gefragt, ob es in meiner Familie Autoimmunerkrankungen gibt oder ob ich hier irgendwelche Risikofaktoren mitbringe. 

Das Ergebnis der Immunologie-Untersuchung

Aber nun hieß es erstmal wieder 2 Wochen warten, bis die Ergebnisse der Blutuntersuchung da sein würden. Auch zum nächsten Termin gingen mein Mann und ich wieder zusammen, denn wir waren beide so gespannt auf die Ergebnisse. Und dann bekamen wir endlich die Antwort, auf die wir so lange gewartet hatten:

„Ja, da stimmt etwas nicht …ihr Immunsystem produziert zu viele Stoffe, die dem Embryo schaden und zu wenig Stoffe, die den Embryo vor den schädlichen Stoffen schützen.“

So erklärte Dr. List mir das immunologische Problem, das zusammen mit meiner Gerinnungsstörung immer wieder zu den Fehlgeburten geführt haben könnte. Endlich hatten wir zumindest die Hoffnung, das wir den Fehler nun gefunden haben. Natürlich war mir trotzdem klar, das es keine Garantie gibt, dass dies wirklich der Kern des Problems ist. Aber es war endlich etwas Neues und Dr. List erklärte uns dann auch, wie wir mit dem Problem umgehen würden. 

Die Therapie der Immunologie

Auch wenn die Therapie umstritten ist, empfiehlt er uns vor dem Embryotransfer bereits mit Immunglobulin-Infusionen (IVIG) zu starten, um mein Immunsystem auf den Embryo vorzubereiten. Zusätzlich würde ich neben Heparin und Aspirin auch noch Kortison bekommen, um das Immunsystem generell etwas herunterzuregeln. Auch meine Schilddrüsenantikörper waren etwas erhöht, und dafür wird mir ein hochdosiertes Selen-Präparat verschrieben. Falls sich der Embryo einnistet, müsste ich bis zur 23.SSW alle 4 Wochen für eine weitere Immunglobulin-Infusion in die Klinik kommen. 

Der AMH-Wert

Eine weitere Sache brachte mich bei diesem Termin zum Staunen: Mein AMH-Wert (Anti Müller Hormon - ein wichtiger Parameter für die Eizellreserve) war seit der letzten Messung von 1,12 auf 3,34 gestiegen. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, das der AMH-Wert mit dem Alter nur weiter in den Keller fallen kann, doch irgendwann las ich in einem Forum, dass eine Unterversorgung mit Vitamin D ein Problem für den Kinderwunsch darstellen kann. An diesem Tag habe ich mir sofort ein Vitamin-D-Präparat besorgt und zum Zeitpunkt der Blutabnahme zur 4.ICSI hatte ich bestimmt schon seit einem halben Jahr darauf geachtet, dass ich meinen Körper beim Thema Vitamin D unterstütze. So war mein Vitamin-D-Wert auch deutlich besser, als bei uns in Norddeutschland im allgemeinen üblich und Dr. List erklärte mir, dass sich damit dann auch der AMH-Wert wieder verbessern kann.

So weit so gut… der Sommer stand vor der Tür und da Dr. List noch im Urlaub sein würde und auch wir noch einen Urlaub geplant hatten, war die nächste ICSI für Mitte August geplant. Fast ein Jahr nach der 3.ICSI hatte ich endlich wieder Hoffnung darauf, dass wir unser Wunder vielleicht doch noch bekommen würden.

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