Kinderwunsch und der Sinn des Lebens… Lebensaufgabe “Mama-Sein” und was wenn nicht? - einbisschenschwanger

Kinderwunsch und der Sinn des Lebens…Lebensaufgabe “Mama-Sein” und was wenn nicht?

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Nachdem das gesamte Jahr 2014 eine ziemliche Katastrophe gewesen ist und es mich Stück für Stück immer trauriger und frustrierter hat werden lassen. Habe ich mir Anfang 2015 vorgenommen, das es so nicht weiter gehen kann. Was ist, wenn sich unser Kinderwunsch nie erfüllt? Ist mein Leben dann vorbei? Versinke ich dann in Trauer darüber, das es mein Traumleben mit Mann, Kind und Hund nie geben wird? 

Nein! So darf es nicht weiter gehen. Der Kinderwunsch darf nicht mein einziger Fokus sein, es muss mehr in meinem Leben geben, das wichtig ist und mir einen Sinn gibt. Also fange ich an darüber nachzudenken, wo ich meine Zeit und meine Energie noch einsetzen könnte. Ich überlege welche meiner Eigenschaften ich einem „höheren Zweck“ widmen kann, so dass ich wieder das Gefühl habe, etwas Wichtiges zu bewegen. Es ist ein bisschen wie ganz am Anfang unserer Kinderwunschreise, wo unser neues vierbeiniges Familienmitglied Bella uns eine zeitlang so vom Kinderwunsch abgelenkt hat, das wir wieder neue Energie und neuen Mut schöpfen konnten. 

Doch diesmal ging es nicht um eine Pause, es ging um viel mehr. Es ging um einen neuen Lebenssinn, der kraftvoll genug sein musste, das er meinem Kinderwunsch ein wenig die Stirn bieten könnte. Diese Zeit stellte mich vor die Aufgabe, meine Werte und was ich auf dieser Welt eigentlich erreichen will, zu hinterfragen. Wo möchte ich einen Unterschied machen, wenn es die Lebensaufgabe „Mama sein“ für mich nicht gibt? 

Ein erster Schritt Richtung Abschied?

Diesen Gedanken habe ich lange weit von mir geschoben. Für mich war klar: Bevor ich nicht alles Erdenkliche ausprobiert habe, werde ich meinen Traum vom eigenen Kind nicht aufgeben. 

Doch nach dem letzten Jahr werden die Stimmen in mir immer lauter, die sagen, dass ich zumindest einen Zwischenweg finden muss. Mir wird immer klarer, dass es für uns keine Garantie auf ein Kind gibt. Nach den letzten Fehlgeburten, die sich anscheinend niemand so richtig erklären kann, sieht es so aus, als wenn wir an die medizinischen Grenzen stoßen. Ich muss mich also wohl oder übel mit dem Gedanken beschäftigen, dass unser Kinderwunsch unerfüllt bleiben könnte.

Auch wenn Aufgeben weiterhin kein Thema ist, weiss ich, dass ich eine neue Strategie für den Alltag brauche, um diesen Weg weiter zu gehen. Bisher lag meine Lebensqualität in der Hoffnung, es könnte mit unserem Wunschkind nun bald klappen. Ich lebte von Versuch zu Versuch und mit jedem negativen Ergebnis nahm die Enttäuschung immer größere Formen an. Mir wurde klar, wenn ich den Fokus uneingeschränkt auf dem Kinderwunsch lasse, dann riskiere ich nicht nur meine eigene (besonders seelische) Gesundheit, sondern auch meine Beziehung. Ich muss mir ein Leben neben dem Kinderwunsch aufbauen, das mir wieder neue Lebensfreude und Kraft gibt. Auch wenn ich es für mich zu dieser Zeit nicht so genannt habe, war es ein erster Schritt in Richtung Abschied vom Kinderwunsch. Ich stellte mir also die alles entscheidende Frage: Wo kann ich in meinem Leben neue Erfüllung finden?

Wohin soll die Liebe fliessen?

Also überlege ich, was in meinem Leben wirklich wichtig ist? Woran hängt mein Herz und was erfüllt mich mit Leidenschaft?Neben meinem Mann und meiner Familie, waren dies immer die Tiere, die mich in meinem Leben begleitet haben. Mit Bella bin ich, zumindest gefühlsmäßig, schon ein bisschen „Mama“ geworden. Also fing ich an im Internet nach Möglichkeiten zu suchen, mich aktiv für Tiere engagieren zu können und bin schnell auf den Tierschutzverein Streunerglück e.V. gestoßen. Ich durchstöberte die Homepage und war begeistert von der Liebe, mit der jede Beschreibung der Schützlinge formuliert war. Ich las die Geschichten der Hunde und Katzen und häufig kamen mir die Tränen bei den Fotos, die zeigten in welch schlechtem Zustand sie vorgefunden wurden und wie wundervoll gesund und fröhlich sie in späteren Fotos aussahen, wenn sie erfolgreich in ein neues „Forever-Home“ vermittelt werden konnten. 

Das war es! Hier wollte ich mitarbeiten. Also schrieb ich eine E-Mail über das Kontaktformular und wenige Tage später telefonierte ich mit Stefanie Grabs, die den Verein mit gegründet hatte und sogar in Hamburg wohnte. Wir machten einen Termin für ein Kennenlernen aus und trafen uns auf einen Kaffee. Ich war zwar vorher schon Feuer und Flamme - aber nach diesem Gespräch gab es kein Halten mehr. Neben ihrer Tätigkeit als Ärztin für Allgemeinmedizin mit eigener Praxis, hatte Steffi Grabs schon mehrere Tierschutzvereine aufgebaut, zu Hause warteten neben Mann und 2 Kindern noch eine Katze, 2 Hunde und ein Pferd auf sie. Was für eine Powerfrau! 

So startete ich bei Streunerglück und fing an Texte zu schreiben, Events zu planen und dabei zu helfen ein Schulprojekt auf die Beine zu stellen, das die Kinder in Mostar (Bosnien-Herzegowina) dafür sensibilisieren sollte, das Hunde und Katzen Lebewesen sind, die es verdient haben mit Respekt behandelt zu werden. Auf einmal war ich von Menschen umgeben, die leidenschaftlich dafür kämpften, dass sich die schlimmen Verhältnisse für die Tiere in Bosnien-Herzegowina verbessern würden. Und genau das hatte ich gebraucht, hier ging es darum Leben zu retten und einen Unterschied zu machen. Frei nach dem Streunerglück Zitat: „Man kann nicht alle Tiere der Welt retten, aber man kann die ganze Welt eines Tieres retten.“

So vergingen die ersten Monate im Jahr 2015 und die Vorbereitungen auf die nächste ICSI, die Wahl einer neuen Kinderwunschklinik und weitere diagnostische Schritte wie die Bauchspiegelung hatten zwar einen Platz in meinem Leben. Doch sie bestimmten nicht mehr meine Gedankenwelt.

Meine Zeit war so angefüllt mit Aufgaben, die mir Sinn gaben: Ich war Klassenlehrerin und hatte meine Aufgaben in der Schule, nachmittags und am Wochenende gab es immer Streunerglück-Projekte und ich konnte mit meinem Mann endlich wieder über andere Themen sprechen, als nur den Kinderwunsch. Auch wenn das tiefe Bedürfnis Mama zu werden dadurch nicht wegging, es konnte in meinem Leben dafür sorgen, dass es wieder mehr positive Momente gab. 

Und auch wenn damit nicht alles gut war, war doch endlich wieder alles besser als vorher!

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