Für immer im Herzen - Triggerwarnung Fehlgeburt

Fehlgeburt, nach der ersten ICSI-Kryo

Dieses winzige schlagende Herzchen auf dem Ultraschall-Monitor, lässt meine Hoffnungen auf einmal Wirklichkeit werden. Bisher war die Angst noch viel zu groß, als das ich mich wirklich freuen konnte. Bisher wartete ich von Schwangerschaftstest zu Schwangerschaftstest… Ja, ich habe auch nach dem Bluttest noch Schwangerschaftstests gemacht, da man wirklich sehen konnte, wie das HCG weiter stieg. Jeder Bluttest war eine weitere Zitterpartie und das Ergebnis wurde immer mit viel Hoffnung, aber auch mit einiger Sorge erwartet. 

Hier kannst Du dir die Podcastfolge anhören:

Die verspätete Regel

Ich wusste, dass etwa 50-60% der normalen Schwangerschaften vor dem Eintreten der Regel wieder vorbei sind. Diese biochemischen Schwangerschaften, die man allerhöchstens auf einem Schwangerschaftsfrühtest (10 mIE/ml) sehen könnte, werden meistens gar nicht als Schwangerschaft empfunden. Die Regel verschiebt sich eben einfach um ein paar Tage und man denkt, sie hätte sich eben einfach nur etwas verspätet. Viele dieser verspäteten Regelblutungen sind eigentlich ganz kurze Schwangerschaften. Die Gründe liegen hier unter Umständen bei Chromosomenfehlern, die dazu führen, dass sich der Embryo nicht mehr weiter entwickelt. Es kann aber auch viele andere Gründe dafür geben, dass die Einnistung des Embryos nicht gelingt (z.B. Probleme mit dem Immunsystem oder der Gerinnung). 

Der Herzschlag des Embryos

Mir war also bewusst, dass es ganz am Anfang einer Schwangerschaft wirklich jederzeit wieder vorbei sein kann. Das war auch der Grund, weshalb ich so sehr auf dieses kleine, schlagende Herz gewartet hatte. Und nun sieht man diesen pulsierenden Punkt endlich auf dem Ultraschallgerät. Die Fruchthöhle ist noch sehr klein und ich habe den Herzschlag zuerst kaum gesehen. Erst bei einer stärkeren Vergrößerung konnte man es dann gut erkennen. Und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich jetzt nicht nur schwanger bin, sondern das wir wirklich ein kleines Wunder bekommen. Auf einmal wird diese Hoffnung schon ein bisschen zur Realität. Schafft man es bis zur klinischen Schwangerschaft, sinkt das Risiko einer Fehlgeburt deutlich. Eine klinische Schwangerschaft ist es dann, wenn die Schwangerschaft im Ultraschall nachgewiesen werden kann. Sieht man dann auch einen Herzschlag, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt auf etwa 10%.

Das erste Ultraschallbild

Unser kleiner Krümel hat also diesen großen Schritt geschafft. Ich bekam mein erstes Ultraschallbild und auch wenn man nicht sehr viel erkennen konnte, konnte ich nun verstehen, wie man in ein Ultraschallbild verliebt sein kann. Durch die Magnesium-Tabletten und mehr Ruhe, sind auch die Blutungen wieder weggegangen und ich hatte nur noch ganz selten ein Ziehen in der Gebärmutter.

Zugegeben, gut ging es mir trotzdem nicht, die Übelkeit über diesen langen Zeitraum, setzte mir immer mehr zu, aber für den Traum vom eigenen Kind hätte ich noch viel mehr auf mich genommen. Nach dem ich gelesen hatte, dass bei Frauen mit Schwangerschaftsübelkeit die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt um 70% geringer ist, konnte ich dem Ganzen sogar etwas Gutes abgewinnen. Einzig eine Sache fehlte mir nun noch, um mich endlich richtig schwanger zu fühlen: Der Mutterpass!

Ich hatte ihn schon bei meiner Frauenärztin in der Akte gesehen und hoffte nun darauf, dass ich ihn heute endlich mitnehmen dürfte. Nach der Untersuchung legte sie ihn aber leider wieder zurück und sagte, dass wir den Mutterpass beim nächsten Termin fertig machen würden.

Trotzdem fuhr ich selig mit meinem ersten Ultraschallbild und dem Wissen, das gerade dieses kleine Wunder im mir lebt, zu meinen Eltern, die ganz in der Nähe meiner Frauenärztin wohnen. Endlich hatte ich auch so ein tolles Schwarz-Weiß Bild, auf dem normale Menschen eigentlich nichts erkennen und doch dreht sich irgendwie die ganze Welt um diesen kleinen Punkt.

Einen Tag später gab es noch einen zweiten tollen Termin. Wir konnten endlich beim Notar den Kaufvertrag für unser Häuschen unterschreiben. Nun gab es also auch ein Zuhause für unsere kleine zukünftige Familie. In zwei Monaten würden wir nun also in unser eigenes Heim ziehen und im Juni kommt dann hoffentlich unser kleines Wunder dazu.

Entlassung aus der Kinderwunschklink

Der letzte Schritt, der unsere Kinderwunsch-Karriere nun hoffentlich beenden würde, war die Entlassung aus der Kinderwunschklinik. Nur ein paar Tage nach dem Termin bei meiner Frauenärztin konnte ich also wieder einen Blick auf das „Krümelchen“ werfen. Das Ultraschallgerät in der Kiwu-Klinik machte dann auch einen etwas besseren Job und man konnte sogar die Ärmchen erkennen. Das Herz schlug weiter kräftig und unser Arzt entließ uns mit ein paar Formularen aus der Klinik, die wir zurück senden sollten, wenn das „Krümelchen“ auf die Welt gekommen ist.

Wenn das Herz bricht

Und dann kam endlich der nächste Termin bei meiner Frauenärztin, an dem der Mutterpass fertig gemacht werden sollte.

Eigentlich ist das natürlich Quatsch, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es erst so richtig „wahr“ ist, wenn ich diesen Mutterpass immer in meiner Tasche mit mir herum trage, so wie jede ganz normale Schwangere, die nicht diese Prozedur der Kinderwunschbehandlung über sich ergehen lassen musste. In der Praxis war wie immer eine ganze Menge los und die Sprechstundenhilfe nahm mich erstmal mit und wir füllten den Mutterpass zusammen aus. Hier gibt es ja etliche Fragen und Gewicht, Größe und Impftiter werden in den Pass eingetragen.

Als wir alles fertig hatten, kam meine Frauenärztin dazu, um wie immer einen Ultraschall zu machen. Komischerweise wollte sie den Ultraschall einmal über die Bauchdecke probieren, warum kann ich heute nicht mehr sagen (normalerweise wird über die Bauchdecke erst bei etwas fortgeschrittener Schwangerschaft geschallt). Auf jeden Fall konnte sie über die Bauchdecke nichts finden, was mich in dieser Situation auch nicht so sehr wunderte, denn ich war gerade in der Mitte der 9. Schwangerschaftswoche. Wir gingen also wieder in den normalen Untersuchungsraum, und meine Ärztin suchte die Fruchthülle mit dem vaginalen Ultraschall. Hier war es auch kein Problem die Fruchthülle und den Embryo zu finden.

Aber irgendetwas stimmte nicht…meine Frauenärztin stellte an der Vergrößerung herum. Ich wartete darauf, dass sie das mit der Vergrößerung endlich hinbekam, damit wir endlich etwas sehen können. Aber irgendwie klappte es nicht.

Ich wartete immer noch, als meine Frauenärztin sagte: „Ich kann den Herzschlag leider nicht finden“.

Die Bedeutung dieser Worte erreichten mein Bewusstsein in dieser Situation nicht - ich dachte einfach: „Dann strengen sie sich etwas mehr an… der muss da doch irgendwo sein?!?“

Sie schallte noch etwas weiter und ich konnte nur auf diesen Monitor starren. Was gerade los war konnte mich nicht erreichen. Es war als wenn mein Bewusstsein abschaltet, da die Wahrheit einfach zu schmerzhaft ist. Meine Frauenärztin gab dann auch auf und ich stand auf, um mich anzuziehen. Das Erste was dann wirklich bei mir ankam und klar machte, was eigentlich gerade los war, war der nächste Satz meiner Ärztin: „Sie sollten sich für nächste Woche dann einen Termin zur Ausschabung machen…“

Ich sollte WAS??? Was war denn hier gerade los…in meinem Kopf lief alles durcheinander. Hatte mir meine Ärztin das wirklich gerade ohne jede Emotion gesagt?? Ohne wenigstens ein: „Es tut mir Leid“. Was war hier los?

Meine Ärztin wollte nochmal Blut abnehmen und ich dachte, dass es vielleicht doch noch Hoffnung gibt. Für mich war die Situation vollkommen unverständlich und ich stand komplett neben mir.

Wie in Trance verließ ich die Praxis. Meine Frauenärztin wollte sich am nächsten Tag melden und mit mir die Blutwerte besprechen. Ich hoffte so sehr, dass vielleicht doch alles ok war. Aber irgendwie wusste ich auch, dass gerade gar nichts gut war. Ich funktionierte wie ein Roboter, ging zum Auto und fuhr zu meinen Eltern. Dort traf mich die Realität mit aller Wucht. Das Herzchen schlägt nicht mehr. Unser „Krümelchen“ wird niemals das Licht der Welt erblicken. Sein Herz ist stehengeblieben… es ist zwar noch da… aber es lebt nicht mehr. 

Für mich ist in diesem Moment ein ganzes Leben zusammengebrochen, dass ich in meinem Kopf schon mit diesem kleinen Wesen geteilt hatte. Ich habe mich schon gesehen, wie ich mit dickem Bauch das Kinderzimmer herrichten würde. Wie wir nach der Geburt endlich als kleine Familie nach Hause kommen und wie dieses Wunder unser ganzes Leben von Grund auf verändern würde. Eine Veränderung auf die ich nun schon so lange warte und dann zerbricht alles mit diesem Satz: „Sie müssen sich in der nächsten Woche einen Termin zur Ausschabung machen“

Meine Mutter begleitete mich nach Hamburg, damit ich nicht alleine bin. Es ist Freitag und meine Ärztin meldet sich auch bis Samstagnachmittag nicht. Ich sitze wie auf Kohlen, denn die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt. Am Montag fahren wir zusammen in die Praxis, doch meine Ärztin kann die Diagnose nur bestätigen. Auf meine Frage, warum sie sich denn nicht wie abgesprochen gemeldet hat antwortet sie: „Ich wollte Ihnen das Wochenende nicht verderben“ Natürlich kann sie nichts dafür, dass unser Krümel nicht mehr lebt, aber die Art und Weise war für mich ein Rätsel und an diesem Tag war klar, dass ich die Praxis nie wieder betreten werde.

Und dann ist alles schwarz

Meinen Mutterpass habe ich an diesem Tag auch noch mitbekommen - dort stand Missed-Abortion (Fehlgeburt, die der Körper noch nicht realisiert hat). Es gab also keine Hoffnung mehr. Ich muss zugeben, dass ich mich an die Tage nach dieser Diagnose kaum noch erinnern kann. Es war als wäre ich in ein tiefes schwarzes Loch gefallen, ohne auch nur zu versuchen dort wieder raus zu kommen. Es ging mir weiterhin schlecht, denn der HCG Wert war weiterhin hoch und sank nur sehr langsam. Die Übelkeit war also nach wie vor da. Mein Körper hatte noch nicht verstanden, dass es dieses kleine Leben nicht mehr gab. Bei der Ausschabung bestand für mich keine Eile, normalerweise kann der Körper das alleine.

Das viel größere Problem war auch nicht mein Körper, sondern meine Seele - es war als würde ich in einem dunklen Moor schwimmen. Jede Bewegung war unendlich anstrengend, selbst Weinen ging irgendwann nicht mehr und wenn es möglich gewesen wäre, dann wäre ich wohl auch im Bett oder auf der Couch geblieben und hätte mich einfach in dieser dunklen Welt treiben lassen. 

Aber eines zwang mich dazu, auch in dieser Situation das Haus zu verlassen - unsere Hündin Bella. Heute weiß ich, dass sie mich wahrscheinlich vor einer wirklichen Depression bewahrt hat. Menschen konnten mich in dieser Situation nicht erreichen aber Bella konnte das - zum Glück.

Click Here to Leave a Comment Below

Leave a Reply: