3.ICSI – Katastrophe und selber Schuld!!! - einbisschenschwanger
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Manchmal fühlt man sich einfach wie in einem Tunnel und auch wenn man ahnt, dass man gerade auf dem falschen Weg ist, schafft man es nicht anders zu handeln. So ging es mir mit unserer 3. ICSI. Die 2. ICSI war gerade mit unserer 4. frühen Fehlgeburt gescheitert und ich dachte sofort darüber nach, wann wir mit dem nächsten Frischversuch weitermachen könnten. 

Klinikwechsel?!?

Um die 3. ICSI zu planen machten wir schon nach zwei Wochen einen neuen Termin in unserer Klinik. Ich hatte zwar darüber nachgedacht die Klinik zu wechseln, aber ich scheute den Schritt. Einer der ganz großen Fehler, denn wir waren schon lange nicht mehr zufrieden. Der Arzt war zwar ok, aber wirklich hilfreich war er nicht. Wir wussten, dass wir hier nicht mit innovativen Ideen zu unserer Behandlung rechnen brauchten. Schon beim Thema Gerinnungsdiagnostik wusste der Arzt nicht wirklich Bescheid und so war mir klar, dass aktuellere Themen, wie der Einfluss der Immunologie, sicher auch nicht zu seinen Spezialgebieten gehören würden. Warum waren wir also noch da?

Heute ist es für mich nicht mehr nachvollziehbar, warum wir an dieser Stelle nicht einen anderen Weg eingeschlagen haben. Doch irgendwie konnte ich mich nicht aufraffen. Ich fand mich in einer Art Kinderwunsch-Trance wieder. Ich lief wie auf Auto-Pilot, konnte die Situation nicht kritisch hinterfragen und fühlte mich für jeden zusätzlichen Schritt zu „schwach“. Der Gedanke daran in mehreren Kliniken ein Beratungsgespräch auszumachen, alle Unterlagen zusammenzusuchen und dann auch noch einen neuen Antrag bei der Krankenkasse zu stellen, fühlte sich für mich wie ein unüberwindbarer Berg an. 

Hier kannst Du dir die Podcastfolge anhören:

Wie finden wir eine bessere Kinderwunschklinik?

Die Wahl einer neuen Klinik fühlte sich wie eine unlösbare Aufgabe an, denn woher sollte ich wissen, dass wir in einer neuen Klinik besser behandelt werden würden? Seit über einem Jahr waren wir in unserer Klinik in Behandlung und wir mussten erkennen, dass die Klinik alle Eckpunkte erfüllte, die man bei einer Kinderwunschklinik nicht haben möchte. Die Behandlung fand wie am Fließband statt, zur Blutabnahmezeit war das Wartezimmer so voll, dass man manchmal keinen Platz bekam und die Sprechstundenhilfen gestresst, da sie für mehrere Stunden Blutabnahmen im Akkord durchführten. Was am Schlimmsten war, wir merkten immer mehr, dass das Geldverdienen in dieser Klinik grundsätzlich an erster Stelle stand. 

Wir hätten die Klinik also unbedingt wechseln müssen, aber wie sollten wir eine Klinik finden, in der anders gearbeitet wurde? Bewertungen im Internet waren zu diesem Zweck wenig aussagekräftig, denn unsere Klinik hatte eine ganze Reihe exzellenter Rezensionen, bei denen ich keinen blassen Schimmer hatte, wie die zustande gekommen sind. Wobei ich mir schon einen einfachen Grund denken konnte: Rezensionen lassen sich sehr einfach „fälschen“. Es gibt sogar Agenturen, die nichts anderes tun, als Produkte und Dienstleistungen auf Bestellung gut oder schlecht zu bewerten. Schaut man sich an, was eine Kinderwunschbehandlung kostet, ist dies ein sehr lukrativer Schritt. Mir war also klar, dass Klinikbewertungen so gut wie gar keine Aussagekraft haben. Also blieb nur der eigene Eindruck. Doch die letzten Monate haben mich so schwach gemacht, dass ich mich zu nichts aufraffen kann. Ich denke mir, da ich sowieso nicht weiß, ob eine andere Klinik besser arbeitet, kann ich auch gleich in unserer Klinik bleiben. Ein riesiger Fehler, doch in meinem depressiven Zustand kann ich nicht klar denken und gehe den Weg des geringsten Widerstandes. Eigentlich alles Zeichen, dass ich ganz dringend eine Pause brauchte. 

Ungeduld ist ein schlechter Ratgeber

Neben den depressiven Gefühlen gibt es aber noch etwas anderes, das mich unaufhörlich antreibt: meine Ungeduld und die biologische Uhr. Ich habe das Gefühl, ich muss jetzt endlich schwanger werden. Es muss doch irgendwann auch bei uns klappen. Und so fühle ich mich nicht nur schwach, sondern auch zutiefst getrieben. Als nächsten diagnostischen Schritt wollte ich eine Untersuchung der Immunologie angehen. Neben einer Bauchspiegelung, war dies einer der letzten diagnostischen Bereiche, der uns noch blieb. 

Die Kosten der Immunologie 

Ähnlich wie bei der Gerinnnungsdiagnostik, war unser Arzt auch beim Thema Immunologie wenig hilfreich. Neben dem Punkt, dass die Klinik von dieser Untersuchung wenig hält, machte er nur vage Angaben zu Kosten und Möglichkeiten. Das Blut müsste in ein anderes Labor geschickt werden und die Kosten würden irgendwo unter 1000€ liegen. Mehr wusste er nicht und die Infounterlagen zur Untersuchung der Immunologie waren auch nicht auffindbar. Trotzdem hatten wir uns dazu entschlossen, dass wir diesen Schritt gehen wollen, bevor wir in einen nächsten Behandlungsversuch starten. Zuerst sollte ich wieder einmal Blut abgeben und es würde dann etwa 6 Wochen dauern, bis das Ergebnis vorliegen würde. Bis hierhin kein Problem und damit hatte ich sowieso schon gerechnet. 

Dann kam aber wieder die Organisation in der Klinik dazwischen. Plötzlich hieß es, wir müssten beide nochmal in die Klinik kommen und Unterlagen unterschreiben und dann beide Blut abgeben. Nun gut, wir fuhren also wieder in die Klinik und bekamen endlich nähere Informationen zur Untersuchung der Immunologie. Doch die Preise waren nun plötzlich in einem ganz anderen Bereich. Schon der erste Bluttest sollte um die 1500€ kosten und wenn es dann zu einer Behandlung kommen würde, müssten wir mit weiteren Kosten von um die 2000€ rechnen. Genaue Angaben gab es nicht, da es anscheinend von den Ergebnissen abhing, wie hoch die Kosten ausfallen würden. An diesem Tag saßen wir ratlos im Wartezimmer der Klinik und fragten uns, was wir jetzt machen sollten. Wieder mehrere 1000€ investieren oder doch darauf vertrauen, dass es vielleicht an den Embryonen lag. An diesem Punkt war mein Mann von dem ganzen Ablauf der Behandlung, den falschen Angaben und den ständig wachsenden Kosten so genervt, dass ich kurzerhand beschloss es nun gut sein zu lassen. Mein Mann war an diesem Punkt davon überzeugt, dass es hier darum ging viel Geld zu verdienen und nicht darum, dass Paare wirklich ein Kind bekommen. Wir waren beide frustriert und hatten das Gefühl, dass uns sowieso niemand wirklich helfen will. Alles eindeutige Zeichen dafür, dass wir hätten die Klinik wechseln MÜSSEN. 

Kinderwunschbehandlung und der Beruf

Nachdem ich aber bei meinen Recherchen im Internet auch nicht wirklich weiter kam, wurde die Zeit für einen Klinikwechsel schon wieder knapp. 

Damit hatte auch meine Arbeit als Lehrerin zu tun, denn ich versuchte die Behandlungszyklen möglichst in die Ferien zu legen, denn Urlaub kann man sich als Lehrerin nicht nehmen und ich konnte auch nicht ständig fehlen. Nun kamen die Herbstferien aber schon wieder mit großen Schritten näher und so traf ich die falsche Entscheidung. Mich packte die Ungeduld…es soll jetzt gefälligst endlich klappen! Es kann doch nicht angehen, dass wir immer schwanger werden, aber der Embryo nie bleiben will. Vielleicht war es doch einfach nur nicht der „richtige“ Embryo und beim nächsten Mal würde es klappen?  

Klinische Schwangerschaften werden „gutgeschrieben“

Wir hatten das große Glück, dass uns durch die klinische Schwangerschaft im 1. Kryoversuch eine ICSI wieder gutgeschrieben wurde. Wir haben also mindestens noch den 3. und einen 4. ICSI Versuch, der uns bezahlt werden würde. 

Der 3. ICSI Versuch

Und trotzdem ist es die schlechteste Entscheidung, als ich mich im Oktober 2014 zum 3. ICSI Versuch anmelde. Eigentlich bräuchte ich, mein Körper und besonders meine Psyche ganz dringend eine Pause. Auch unsere Partnerschaft leidet immer mehr unter der Situation. Unser Arzt ist auch in dieser Situation keine wirkliche Hilfe und verhält sich gewohnt neutral. Wir gehen die 3. ICSI also an, wie die beiden ICSIs zuvor. Obwohl ich den Ablauf schon kenne, stehe ich irgendwie neben mir und vergesse die Auslösespritze für den Eisprung, so dass die Punktion um einen Tag verschoben werden muss. Alles Zeichen, dass ich einfach nicht mehr kann, aber an diesem Punkt stecken wir natürlich schon viel zu tief drin. So ist auch das Ergebnis sehr mittelmäßig. Von 9 Eizellen sind 7 Eizellen reif und 4 Eizellen können befruchtet werden. An Tag 5 sind wieder nur 2 Morula übrig - also einmal mehr keine Blastozyste. Obwohl ich Aspirin nehme und Heparin spritze, ist die Hoffnung bei diesem Versuch kaum vorhanden. Wieder gibt es eine kurze Einnistung, aber so minimal, dass ich auf den Bluttest verzichte und die Medikamente absetze, als die Schwangerschaftstests nicht deutlicher werden. Und das war es dann… 

Am Ende

Nun ist die Entscheidung klar. Ich bin ausgebrannt und in der Klinik weiterzumachen ist nun auch für mich keine Option mehr. Bevor wir unseren 4. ICSI Versuch in Angriff nehmen, wollen wir endlich alles untersuchen lassen, was noch übrig ist. Neben einer Bauchspiegelung nehme ich mir auch vor, einen Weg für eine immunologische Untersuchung zu finden. Und natürlich eine neue Klinik!

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